Einleitung: Von der Problematik mit den Socken
Der Ursprung dieses Feldversuchs
Dieses Wochenende war die Familie auf Schiurlaub und somit wurde mir das Vergnügen zuteil, allein über das Haus verfügen zu können. Doch was im ersten Moment nach "Sturmfrei! Party! Orgien!" klingen mag birgt andere Hintergründe ("Kochen! Abwaschen! Wäsche waschen!"), die nicht ganz so dem Klischee der ausgelassenen Lebensfreude und hemmungslosem Feiern entsprechen wollen.
Ok, kochen soll so schlimm nicht sein. Erstens machts Spaß und zweitens ist es in Zeiten der Kooperation von Technik und Kulinarik schon lange keine Hexerei mehr mit geringem Aufwand etwas warmes, essbares auf den Tisch zu kriegen. Und das Abwaschen übernimmt der — ein Hoch auf die Technik — Geschirrspüler, der sich nur noch nicht selber ein- und ausräumen kann.
Die Pein: Einzelne Socken
Bleibt das Wäsche waschen. Na gut
, mag der Unwissende zu behaupten
wagen, das macht doch eh die Waschmaschine.
Doch das Problem ist
nicht das Waschen. Das Problem sind die Socken. Einzelne Socken. Nicht um
ihrer selbst Willen, nein vielmehr aufgrund der Tatsache, dass Socken
scheinbar, quasi wider ihre Natur, alleine sein wollen. Wie sonst wäre das
misteriöse Verschwinden einzelner Socken zu erklären?
Das Experiment: Den Socken auf der Spur
Na gut
, mag der Unwissende fortfahren, die Socken gehen halt
einfach verloren.
Ich denke nicht. Um meine Theorie zu untermauern
werde ich im Folgenden den standardgemäßen Ablauf einer Sockenwaschung
skizzieren. Dabei setze ich einige Rahmenbedingungen voraus: Ich gehe
davon aus, dass ich zwei zusammengehörige oder zumindest insoweit, dass
niemand den Betrug bemerken würde zusammenpassende, Socken trage. Ich
gehe weiters davon aus, dass alle Prozesse des Waschvorgangs dieser Socken
von derselben Person durchgeführt werden und niemand sonst Zugriff
auf die zu waschenden Socken (im Folgenden ZWS) hat, um Diebstahl oder anderweitige
Fremdeinwirkungen, die zum Verlust einer ZWS führen könnten, ausschließen zu können.
Die Problemzone: Reise der Socken
Erste Station: Entstehung zu waschender Socken
Dieser beginnt bereits beim Ausziehen der ZWS. Bis zu diesem Zeitpunkt sind die Socken noch TBS (tragbare Socken) und werden — für gewöhnlich — in passenden Paaren an — für gewöhnlich — den Füßen getragen. Der Moment des Ausziehens macht also die TBS zu ZWS und bietet gleichzeitig die erste potentielle Gefahrensituation für den SWV (Sockenwaschverantwortlichen). Bis jetzt waren die TBS sozusagen aneinander gebunden, ein Verlust war unwahrscheinlich bis unmöglich und würde in diesem Moment festgestellt werden.
Erste Fluchtmöglichkeiten
Doch ab jetzt könnte theoretisch durch Unaufmerksamkeit, Ungeschicklichkeit oder logistische Interferenzen einer der ZWS abhanden kommen. Ich gehe davon aus, dass die ZWS vor der eigentlichen Waschung in einem dafür vorgesehenen und geeigneten (=möglichst geruchsdicht, folglich zumindest geschlossen) Behältnis zwischengelagert werden — der WBX (Wäschebox). Daraus ergibt sich der erste logistische Kniff der ZWS den diese unabhängig von den Füßen des SWVzurückzulegen haben: Der Transport in die WBX.
Socken auf Zwischenstop
Im Regelfall befindet sich diese WBX in unmittelbarer Nähe der Stelle, an der der SWV die TBS durch Ausziehen zu ZWS umwandelt. Geht man also davon aus, dass beim Transport herunterfallende ZWS zu einem späteren Zeitpunkt auffallen bzw. spätestens beim Bemerken des Verlustes wieder gefunden würden fällt dieser Risikofaktor als Ursache aus. Ein Diebstahl während der Lagerung wird aus Gründen tiefster innerer Überzeugung ausgeschlossen.
Zur Waschmaschine
Der nächste Transportweg, der der WBX zur WME (Waschmaschine), ist ebenfalls ungefährlich — zumindest unter der Voraussetzung, dass der SWV die WBX ordnungsgemäß verschlossen hat. Anders der darauf folgende Vorgang: Der SWVhat die ZWS nun manuell in die WME zu befördern. Auch wenn man davon ausgeht, dass die WBX vom versierten SWV direkt vor der WME installiert wird besteht hier die Gefahr, dass ein Exemplar der ZWS unbemerkt zu Boden fällt. Doch hier gilt selbiges wie für den ersten Prozess: Heruntergefallene ZWS würden entweder unmittelbar während des Herunterfallens bemerkt oder im Rahmen des Abtransports der WBX bzw. einer zu späterer Zeit aufgrund des festgestellten Verlusts einer ZWS durchgeführten Suchaktion entdeckt.
Der Waschvorgang - Reinigung der Socken
Die zweite Gefahr während der Beförderung von der WBX in die WME ist das Zurückbleiben eines einzelnen ZWS in der als sachgemäß entleert angenommenen WBX. Die Lösung dieses Fehlers ist kniffliger, dennoch kann der ZWS dabei nicht tatsächlich verlorgen gehen. Beim nächsten Waschgang nämlich müsste dieser zurückgebliebene alte ZWS mit den neu gesammelten ZWS in der WME landen und somit nach dem Waschvorgang auftauchen. Außer natürlich er würde wieder in der WBX übersehen. Doch da über die Zeit meist eine ungeahnt große Zahl von ZWS abhanden kommt müsste sich, würde genannter Fall die Ursache sein, in der WBX ein nicht zu übersehender und olfaktorisch äußerst auffälliger Haufen alter ZWS befinden, der diesen Fall als Ursache anzusehen ad absurdum führt.
Ich gehe nun weiters davon aus, dass die WME während des unbeaufsichtigten Waschvorgangs vollständig verschlossen ist und auch nicht ohne bleibende Spuren geöffnet werden könnte. Der nun folgende Schritt kann variieren: Entweder werden die GWS (gewaschenen Socken) in den WTR (Wäschetrockner) transportiert oder — ungleich riskanter — auf einem der Folgenden Trocknungsapparaturen installiert: Wäscheleine, Wäschespinne, Wäscheständer. Von dieser zweiten Variante wird aus verschiedensten Sicherheitsgründen (keine Zugriffskontrolle, Einwirkung äußerer Kräfte & Umstände usw. usf.) dringend abgeraten! Ich betrachte also nur die sicherste Variante, um meine Theorie von der mutwilligen Flucht der gemeinen Socken zu untermauern.
Rückführung in den Kreislauf - die Socken kehren zurück
Im Wesentlichen gestaltet sich der Vorgang exakt wie der der Beförderung von der WBX in die WME. Die Umstände und Risiken sind also identisch bis zuallermindest weitgehend vergleichbar. Insofern wird auch hier die Möglichkeit des Verschwidens aus den bereits aufgeführten Gründen ausgeschlossen. Der letze Weg führt die nun GTS (gewaschenen trockenen Socken) vom WTR zu einer belieben Stelle, an der die Sockenpaare für die spätere Verwendung wieder zusammengeführt und gelagert werden. Die erforderlichen Vorgänge sind identisch mit denen des Transports von der Stelle des Ausziehens der TBS bis zur WMS, nur in umgekehrter Reihenfolge. Wieder schließe ich einen tatsächlichen Verlust aus.
Werden die GTS nun zusammengeführt bleibt im Regelfall ein einzelner GTS (in besonders dramatischen Fällen auch mehrere) über, für den kein entsprechender zweiter einzelner GTS vorhanden ist. Die Suche, die durchgeführt wird um den genannten Fall des Herunterfallens zu überprüfen, bleibt im Regelfall erfolglos, wenngleich vereinzelte Berichte von nachträglichen Funden einen Funken Hoffnung geben. Nun zu meiner Frage: Wann, wie und wo kann diese eine Socke verlorengegangen sein? Und meine für mich gefundene Antwort: Nirgends. Der logistische Vorgang ist ausgefeilt und lässt bei professionellem Vorgehen des SWV ein Verlorengehen schlicht nicht zu.
Conclusio über das Wesen der Socken
Somit ziehe ich den einzig möglichen Schluss aus meiner Analyse:
Die gemeine Socke ist böswillig und
in der Hoffnung auf ein Leben in Einsamkeit
ständig bestrebt zu flüchten.